GESCHICHTE
Der Münchner Dekan Karl Buchrucker gründete am 26. März 1884 mit weiteren evangelischen Persönlichkeiten den „Verein für Innere Mission in München”. Der neue Verein widmete sich zunächst der Armenfürsorge: 1890 wurde die „Kinderbewahranstalt” in der Blutenburgstraße gegründet, 1898 die „Sommerfrische” für Stadtkinder im Lindenhof im Murnauer Moos. In anderen Arbeitsbereichen ging es in der Anfangszeit darum, junge Menschen zu erziehen, Zugezogenen freie Stellen zu vermitteln sowie sie in Wohnheimen unterzubringen. 1903 erwarb das Sozialwerk in der Mathildenstraße 6 sein erstes Vereinshaus, 1912 wurde im Stadtteil Neuhausen mit dem Löhe-Haus das erste große Kinderheim fertiggestellt. Weitere Hilfedienste richteten sich an „gefallene Mädchen, Trinker und Strafentlassene”. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die „Evangelische Jugendhilfe” gegründet: Kindererholung, Erziehungsberatung und Vormundschaften waren das Gebot der Stunde.
Vereinsgründer Karl Buchrucker
Ausgelöst durch die Geldentwertung in der Zwischenkriegszeit widmete
sich die Innere Mission der Wohlfahrtspflege für Obdachlose und
Arbeitssuchende, übernahm das Armenbüro, führte einen
„Freiwilligen Arbeitsdienst” ein und half durch Speisungen,
Wärmestuben, Kohlezuteilungen und Kleidervergaben, die große
Not zu lindern. Als Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege nahm sie
entsprechend der Fürsorgegesetzgebung der Weimarer Republik ihren
sozialpolitischen Gestaltungsauftrag wahr.
Das „Evangelische Eck” an der Mathilden-/ Landwehrstraße.
In Folge des politischen Machtwechsels 1933 gab es
für den Verein große Veränderungen: Bahnhofsmission,
Erziehungsanstalt Feldkirchen und der „Magdalenen-Verein
für gefährdete Mädchen” kamen noch vor
Kriegsbeginn unter das schützende Dach der Inneren Mission.
Zugleich musste sich diese der Nationalen Front angliedern
und Dienststellen an den Staat abgeben. Ein Sammlungsverbot
schädigte sie zudem finanziell. Bombenangriffe brachten
große Verluste: 1945 war von 18 Häusern nur noch
eines intakt.
Im Chaos der Nachkriegszeit half die Innere Mission
der notleidenden Bevölkerung mit Kleider- und Lebensmittelspenden;
für Hungrige gab es Volksküchen. Rasch begann der
Wiederaufbau des Löhe-Hauses und des Magdalenen-Heims.
Herzogsägmühle bei Peiting wurde dem Verein übertragen.
In der Folgezeit wurden Alten- und Kinderheime angemietet;
von 1950 an arbeiteten vom Haus in der Heßstrasse 12
aus Stadtmission, Mitternachtsmission (heute Mimikry) und
Gefangenenfürsorge.
Unterricht im Freien beim Ferienlager in der Eichenau, August 1936.
In der aufblühenden Bundesrepublik erweiterten
sich auch die Aufgaben des kirchlichen Sozialwerks zusehends:
Zu den klassischen Arbeitsfeldern wie Altenhilfe, Jugend-
und Erziehungshilfe oder Gefährdetenhilfe traten neue
Herausforderungen. Frauenbetreuung, Beratung der damaligen
„Gastarbeiter”, die Stadtteilsozialarbeit. An der
Fachschule für Altenpflege, der heutigen PflegeAkademie,
wurden junge Menschen zu ihrem Dienst als Altenpfleger ausgebildet.
Der Verband pflegte auf allen Ebenen sinnvolle Kooperationen
mit der öffentlichen Hand.
In Folge der Wirtschaftskrise der 80-er Jahre kümmerte
sich der Verein besonders um gefährdete Menschen wie
Arbeitslose, Obdachlose und psychisch Kranke; es entstanden
das „Münchner Arbeitslosenzentrum”, die Teestube
„komm” und die Sozialpsychiatrischen Dienste.
Erste Anlaufstelle nach dem Krieg: Die Bahnhofsmission 1945.
Ausländer, Flüchtlinge und Asylbewerber rückten
zusehends in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit; entsprechende
Einrichtungen wie das Internationale Jugendzentrum in Haidhausen,
das Internationale Mütterzentrum (heute TREFFAM) oder der
Sozialdienst für Flüchtlinge wurden ins Leben gerufen.
In den 90-er Jahren expandierte das Sozialunternehmen
in allen Bereichen: In der Jugendhilfe wurden mehrere Kindertagesstätten
übernommen, bei der Altenhilfe entstanden Einrichtungen
für Betreutes Wohnen und Diakoniestationen, im Bereich
der Migrationsdienste übernahm die Innere Mission die
Betreuung in zahlreichen Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge
und Asylbewerber. Das neu eröffnete Frauenobdach „Karla
51” stellte als erste Einrichtung in der Landeshauptstadt
ein spezielles Angebot ausschließlich für obdachlose
Frauen dar.
Hilfe für Menschen, die ganz unten sind.
Gemeinsam mit dem evangelischen Dekanatsbezirk gründete
die Innere Mission 1995 die diakonia
– Dienstleistungs gGmbH, um Menschen mit einem
Handicap Arbeit zu geben. Im Zuge der weiteren Neuorganisation
wurde 2002 die Abteilung „Gefährdetenhilfe”
als hundertprozentiges Tochterunternehmen Evangelisches
Hilfswerk München gGmbH ausgegründet. 2005
setzt sich dieser Trend fort mit der Gründung der „Hilfe
im Alter gGmbH” und der „Service GmbH” für
die neuen Pflegeeinrichtungen in Eichenau und Ebersberg.
Seit 2007 gibt es die Beruf und Bildung gGmbH, die sich um Bildungs- und Qualifizierungsprojekte kümmert.
Multikulturelles Lernen: Kindergruppe im Treffpunkt Familie International.
125 Jahre nach ihrer Gründung am 26. März 1884 ist die Innere Mission München
mit ihren 105 Dienststellen und ca. 1.200 Mitarbeitern sowie mehr als 1.100
Ehrenamtlichen gut vorbereitet auf weitere Veränderungen etwa aufgrund der
aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, die auch ein Sozialunternehmen vor
neue Herausforderungen stellt.
Eine Festschrift
zeichnet die Geschichte der Inneren Mission von den Anfängen,
der Sorge für die Grundbedürfnisse des Lebens, bis in die Gegenwart als modernes
Diakonie-Unternehmen nach.
Den Auftakt zu den Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr bildete ein Festgottesdienst
am 8. März, den bundesweit rund 130.000 Zuschauer im Fernsehen sahen. Den Abschluss
bildete am 11. Oktober ein Festakt im Alten Rathaus mit Landesbischof Johannes Friedrich.
Beim Festgottesdienst zum 125. Jubiläum setzte der Chor
der Mitarbeitenden die musikalischen Akzente.
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