Die beiden 29-jährigen Absolventen der Deutschen Journalistenschule in München schildern darin die Trauer eines Elternpaares nach dem Suizid ihres Sohnes.
Nach Meinung der Jury ist es den beiden Autoren gelungen „ein tiefgreifendes, persönliches Schicksal mitfühlsam zu schildern, ohne dabei die Grenzen zur Pietätslosigkeit zu überschreiten“. Aus zahlreichen Zitaten und Details sei eine „bewegende Darstellung des Innenlebens des Sohnes entstanden, das den Lesern das Phänomen Suizid sehr nahe bringt“.
Diese Zurückhaltung hätte nach Meinung der Jury auch manchen anderen Medien in ihrer sensationslüsternen Berichterstattung beispielsweise nach dem Tod von Nationaltorwart Robert Enke gut gestanden. In Zeiten des „schneller, besser und immer spektakulärer“ sei mediale Sensibilität offenbar „keine gefragte Tugend mehr, weil sie ein großes Maß an Mut, Empathie, Zurückhaltung, Geduld, Interesse und Beobachtungsgabe erfordern“, sagte Laudatorin Marion Glück-Levi.
Den Autoren gelinge es, „mit wenigen Zeilen mitten hinein in das Unfassbare zu führen, das sich hinter der Normalität des Alltags verbirgt“, lobte die Laudatorin. Gleichzeitig seien Marco Maurer und Daniel Etter nicht der Versuchung erlegen, einfache Antworten zu geben oder Erklärungsversuche: „Sie beschreiben mit sicherem Gefühl für das Wesentliche – ohne Schnörkel, ohne Wertung.“
Ein weiterer Preis geht an Bastian Obermayer für seine im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentliche Reportage „Haus geträumt“. Der 32-jährige Journalist schildert darin das Schicksal einer Familie, die aufgrund einseitiger Finanzberatung beim Bau ihres Hauses in den Ruin gerät.
Die alltägliche Geschichte vom deutschen Häuslebauer thematisiere „eine Reihe politischer Brennpunkte und Reizthemen: vom prekären Mittelstand, von verlogenen Finanzberatern, von gesichtslosen Banken, von gedankenlosen Bausparkassen und von der Unfähigkeit der Gesellschaft, mit dem Scheitern der Nachbarn umzugehen“, so Laudatorin Johanna Haberer.
Der Autor zeichne sensibel und akribisch, wie der Familie „die Schuldenbrühe bis zum Hals steigt, ihre wachsende Verzweiflung und die Isolation in dem kleinen Dorf, wo sie ihr Schicksal niemandem erzählen dürfen“. Der virtuos komponierte Text biete somit „Innensicht und Großaufnahme einer gesellschaftlichen Entwicklung auf dem Weg in die soziale Kälte, die immer häufiger auch gut verdienende Menschen trifft“.
Ebenfalls ausgezeichnet wird die Fotografin Michaela Handrek-Rehle aus Eichenau für ihre Bilderserie über Bewohner des dortigen Altenpflegezentrums. Die 33-Jährige hatte während eines halben Jahres Menschen im Heim begleitet und sie bei Festen oder bei typischen Beschäftigungen porträtiert. Entstanden seien durch diese ungewöhnliche intensive Beschäftigung „Aufnahmen, die entgegen dem Trend die Altenpflege nicht skandalisieren“, so die Meinung der Jury.
Michaela Handrek-Rehle zeige die „schönen Seiten eines Heimes, ohne die Mühen des Alters zu übertünchen“ hob Laudator Martin Bogdahn hervor. Die Bilder ließen beim Betrachter den Wunsch aufkommen, auf ähnliche Weise alt zu werden. Es sei gelungen, „wunderbare Augenblicke des Alters festzuhalten und das Herz der Betrachtenden zu öffnen“, so der frühere bayerische EKD-Rundfunkbeauftragte und Münchner Regionalbischof. Bogdahn wörtlich: „Mit dieser Begegnung hat die Fotografin die Würde des Menschen ins Bild gesetzt.“ Beide Preise sind mit je 3.000 Euro dotiert.
Für mehr durchgehende Präsenz von sozialen und sozialpolitischen Themen in den Medien hat sich die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, bei der Verleihung des Karl-Buchrucker-Preises ausgesprochen. „Das Soziale wird mal mehr, mal weniger und manchmal gar nicht beachtet“, sagte sie in ihrem Festvortrag. „Soziale Themen seien leider oft nur „Saisonware“. So hätten diese in der Vorweihnachtszeit „Hochkonjunktur und schaden dann auch nicht der Auflage und der Quote“; in den Sommerferien hingegen seien Berichte über Themen wie Not und Elend selten.
Die Gleichsetzung von „Sozialem“ mit Problemen wie Armut, Krankheit oder Arbeitslosigkeit sieht die Landtagspräsidentin als einen Grund für die unregelmäßige Präsenz, die Personalisierung von sozialen Themen hingegen als Chance: „Denn auf diese Weise lassen sich nicht nur Missstände und Negatives an die Öffentlichkeit transportieren, sondern eben auch die positiven Seiten.“
Der Vorstand der Inneren Mission, Pfarrer Günther Bauer, sagte bei der Preisverleihung, die innere Verbindungslinie bei der diesjährigen Auszeichnung sei die gelungene Thematisierung eines „Verlustes“: dem Verlust an Jugendlichkeit, materieller Verlust und der Verlust eines geliebten Menschen.
Bei den Portraits alter Menschen werde jedoch deutlich, „dass der Verlust der Jugendlichkeit nicht mit Tragik oder Versagen einhergeht, sondern Teil eines Lebensabschnittes ist, der – trotz aller körperlicher oder geistiger Gebrechen – auch von Freiheit und Fröhlichkeit geprägt sein kann“.
Wenn es um emotionale und verstörende Themen gehe, bewege sich Journalismus in einem „Spannungsfeld zwischen dem Auftrag zur Berichterstattung und allzu konkreter Ausgestaltung der Einzelheiten“, so Bauer. Neben aller Journalistenkunst sei hier „immer auch der Mensch hinter seinem Berufsethos“ gefragt. Schließlich möchte sich niemand nachsagen lassen, seine Reportage – beispielsweise über einen Suizid – habe einen „tödlichen Nachahm-Effekt bewirkt“.
Das Preisgeld in Höhe von 11.000 Euro wurde in diesem Jahr gestiftet von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, Bruderhilfe - Pax - Familienfürsorge, dem Versicherer im Raum der Kirchen, sowie der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel. Insgesamt gingen 57 Bewerbungen ein; der Preis wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen. Schirmherr ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.
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Ausgezeichnet für herausragende journalistische Arbeit (v.l.n.r.): Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung, die den Preis für den erkrankten Bastian Obermayer entgegennahm, Marco Maurer, Michaela Handrek-Rehle und Daniel Etter.
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