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"Sozial engagierter, hervorragender Journalismus" gewürdigt

29. März 2004
Die Redaktion "Das Notizbuch" ist mit dem mit 5000 Euro dotierten Karl-Buchrucker-Preis ausgezeichnet worden.

Bei der festlichen Preisverleihung im Literaturhaus München wurde die knapp zweistündige Hörfunk-Sendung mit dem Titel "Menschen mit Behinderungen" (Redaktion: Sybille Giel) geehrt, die das Thema mit mehreren Kurzbeiträgen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Mit der Auszeichnung würdigt die Jury insgesamt "die Jahrzehnte lange, sozial engagierte und journalistisch hervorragende Arbeit" des "Notizbuchs". Laudatorin Johanna Haberer sagte, das einst als "Hausfrauensendung" konzipierte Magazin habe sich "noch nie vor schweren Brocken gedrückt" und dabei stets sachlich informiert über Themen wie Sterbehilfe, Transsexualität, Überschuldung, Osterweiterung oder Zukunft der Altersversorgung. "Wer Frauenthemen behandelt, stellt sich den großen Veränderungen der Gesellschaft und deren großen Lasten, denn gesellschaftliche Entwicklungen machen sich besonders an Frauenthemen fest", sagte die Professorin für Christliche Publizistik und frühere Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Sendung habe es geschafft "über Jahrzehnte ganz nah am Leben der Menschen zu bleiben." Haberer weiter: "Es ist eine Sendeleiste, die – und das ist erfrischend in unseren Tagen – ihre Hörer nicht für dumm verkauft und nicht für dumm hält, sondern für intelligent und interessiert." Mit ihrem Motto "Alles, was Menschen bewegt" sei die Redaktion "nah dran am Leben" und auch am Auftrag des Preisstifters, der Inneren Mission München.

Mit einem Förderpreis ausgezeichnet wurde die Journalistin Claudia Fromme für ihr in der "Süddeutschen Zeitung" erschienenes Portrait "Die Berührbare": Die Autorin zeichnet darin sehr feinfühlig das Bild einer Potsdamer Sexualbegleiterin, die Männern mit geistiger Behinderung intime Handlungen ermöglicht.

Jurorin Marion Glück-Levi, Beauftragte für Bildungsprojekte beim Bayerischen Rundfunk, wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass das Thema "Sex und Behinderte" bei uns nach wie vor mit einem Tabu belegt sei – anders als beispielsweise in Dänemark und Holland. In Deutschland kursiere dagegen gleich "das hämische Wort vom Sex auf Krankenschein". Der Artikel zeige kenntnisreich und informierend "gesellschaftliche Vorbehalte auf, die unterschiedlichen Positionen und das Herumgeeiere, wenn offizielle Stellen gefragt werden".

Den zweiten Förderpreis erhielt Alexia Späth, die in ihrem Beitrag "Ohne Pass und Papiere" in der BR-Reihe "Stationen" das Schicksal illegaler Einwanderer in Deutschland nachzeichnete. Der frühere Münchner Regionalbischof Martin Bogdahn hob in seiner Laudatio die "bemerkenswerte Sorgfalt und erstaunliche Hartnäckigkeit" mit der die Autorin ihren ersten größeren Film geplant und umgesetzt habe.

Der Film benenne die zahlenmäßige Größe der Illegalität in Deutschland: "Fünfhunderttausend bis eine Million Menschen halten sich illegal hier auf, werden polizeilich gesucht und zugleich als billige Arbeitskräfte ausgenutzt – im Baugewerbe, in der Landwirtschaft, Gastronomie, Reinigung und in der privaten Alten- und Krankenpflege mit einem erwirtschafteten Gesamtumsatz von schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro." Alexia Späth sei es gelungen, so Bogdahn, zu zeigen; was sich hinter diesen Zahlen verberge.

Friedemann Greiner, Vorsitzender des Fernsehausschusses im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, ging in seiner Festansprache auf die Rolle der Medien in der Sozialberichterstattung ein. Die Medien hätten einen "investigativen Auftrag", vor allem wenn die Politik auf einen umfassenden Überblick – wie etwa den bayerischen Armutsbericht – verzichtet. Die "Enttabuisierung" sozialer Themen dürfe dabei weder "spektakulär-voyeuristisch" noch im Stile einer "Ghettoisierung" erfolgen. Diese Themen dürften auch nicht "im beschleunigten Sekundentakt" abgehandelt werden, sondern "nur durch ein Programm der Verlangsamung und anschaulichen Nachdenklichkeit", mahnte Greiner an.

Der Geschäftsführer der Inneren Mission München, Pfarrer Günther Bauer, sagte, die Inneren Mission wolle mit dem Karl-Buchrucker-Preis einen "evangelischen Akzent" setzen. Dem kirchlichen Wohlfahrtsverband gehe es um die "soziale und menschliche Komponente des Medienmarktes" und nicht um "Überschriftenjournalismus und Mediendarwinismus, der nur auf Quoten, Skandale und Rendite" spekuliere. Bauer weiter: "Ein Medienmarkt ohne soziale Komponente wäre ebenso humanitätsfeindlich wie eine Marktwirtschaft, die nicht durch die Sozialstaatsverpflichtung begleitet wäre."

Die Förderpreise sind mit je 3000 Euro dotiert. Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission wurde dieses Jahr bereits zum vierten Mal vergeben. Ziel des Preises ist es, durch die Auszeichnung von Beiträgen, die sich in herausragender Weise mit diakonischen oder sozialen Themen beschäftigen, den Stellenwert sozialer und diakonischer Arbeit in der Öffentlichkeit zu fördern. Schirmherr ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.


Glückliche Preisträgerinnen: (v.l.n.r.) Alexia Späth, Sybille Giel und Claudia Fromme.

Glückliche Preisträgerinnen: (v.l.n.r.) Alexia Späth, Sybille Giel und Claudia Fromme.
Ansprechpartner: Klaus Honigschnabel
Tel.: 089 / 12 69 91 - 121

Nachricht verfasst von: Klaus Honigschnabel


Einrichtung: Geschäftsstelle der Inneren Mission München


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