Illegale Machenschaften des Sohnes entwürdigen 94-jährige Mutter

21. Januar 2005
Die Innere Mission München hat die in der RTL-Sendung "Extra" vom 17. Januar geäußerten und in Folge von zahlreichen Münchner Tageszeitungen wiederholten Vorwürfe bezüglich eines angeblichen Pflegeskandals in einem ihrer Seniorenheime energisch zurückgewiesen.

Pfarrer Günther Bauer, Geschäftsführer der Inneren Mission, erklärte bei einer Pressekonferenz, die 94-jährige demente Bewohnerin befinde sich in gut gepflegter körperlicher Verfassung. Sogar ein Druckgeschwür, das sie beim Einzug ins Haus mitgebracht hatte, konnte ausgeheilt werden.

Dies hätten vier von einander unabhängige Kontrollen der Münchner Heimaufsicht, des Medizinischen Dienstes der Kassen, des Gesundheitsamts und der Pflegekasse am gestrigen Tag ergeben. Dem Heim sei auch insgesamt eine "gute Pflegequalität" bescheinigt worden; die im Film dargestellten Vorwürfe entsprächen in keiner Weise der pflegerischen Situation. Die Video-Aufnahmen stammen von einer Funkkamera in einem Zimmer des Hauses, die in einem Christbaum versteckt war. Sie zeichnete mindestens sechs Tage lang rund um die Uhr auf, was im Zimmer geschah und gesprochen wurde.

Anke Stöcker, stellvertretende Heimleiterin des Leonhard-Henninger-Hauses widerlegte die Vorwürfe Punkt für Punkt. Laut des computergestützten Klingelprotokolls habe die Bewohnerin in den von RTL genannten Zeiten den Schwesternruf gar nicht betätigt. Andere in dem RTL-Beitrag dem Heim als angeblich Pflegemängel zugeschriebenen Vorgänge seien dagegen von dem Sohn und Betreuer der Bewohnerin entgegen dem Rat der Fachkräfte angeordnet worden.

Der Geschäftsführer der Inneren Mission belegte anhand der Pflegedokumentation, dass der Sohn und Betreuer bei seinen Hausbesuchen wiederholt körperliche Gewalt gegen seine Mutter angewandt habe: "Immer wieder hat er gegen die Hinweise unseres fachlich geschulten Personals verstoßen und bei Ausflügen mit seiner Mutter deren Beine so stark am Rollstuhl fixiert, dass sie Blutstauungen in den Beinen bekam", schilderte Bauer die Situation.

Frank Chylek, Leiter des Leonhard-Henninger-Hauses, betonte, dass der jetzt von einem Skandal sprechende Betreuer sich trotz zahlreicher Gespräche mit den Heimverantwortlichen und dem Pflegepersonal "leider als weitgehend uneinsichtig" gezeigt habe. Es gebe über 40 Institutionen, die den Pflegebereich kontrollierten, doch leider keine Aufsichtsbehörde für Betreuer; kritisierte Bauer. Alleine die Amtsgerichte könnten einen ungeeigneten Betreuer entlassen; dafür werde sich der kirchliche Träger jetzt einsetzen.

Aufgrund der entwürdigenden und illegalen Filmaufnahmen, die die 94-Jährige teilweise "nackt und bloß" bundesweit gezeigt hatten, habe die Innere Mission Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt und den Betreuer mit einem Hausverbot belegt. Gegen den Sender habe man eine Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt eingereicht.

Der Pressesprecher der Inneren Mission, Klaus Honigschnabel, verurteilte die Machart des RTL-Beitrags als "Stasi-Journalismus"; die Bilder seien unter eklatanter Missachtung der Menschenwürde gemacht worden. "Ein Alten- und Pflegeheim ist kein Big-Brother-Container."

Im Zusammenhang mit Alter und Pflege verlangte Günther Bauer eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, die die Wohlfahrtsverbände schon in der "Münchner Erklärung" von 1997 angemahnt hätten. "Durch Steuermittel oder Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung muss die Gesellschaft deutlich machen, dass ihr gute Pflege im Alter etwas wert ist. Jeder Einzelne muss sich fragen, ob er bereits ist, jetzt die notwendigen Mittel für eine bessere Pflege im Alter bereitzustellen", unterstrich er.

Den Auslöser des angeblichen Skandals forderte er auf, "Anreger, Helfer und Unterstützer öffentlich zu nennen". Denn: "Durch solche manipulierten Sendungen werden die Ängste vor dem Altern und vor Pflegeheimen systematisch geschürt und damit notwendige, professionelle pflegerische Hilfe in der Pflegepraxis behindert. Eine Skandalisierung der Pflege hilft niemandem."

Ansprechpartner: Frank Chylek
Tel.: 54 01 89 -0

Nachricht verfasst von: HS/ho


Einrichtung: Alten- und Pflegeheim Leonhard-Henninger-Haus

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