| Ein ehemaliger Flüchtling
aus dem Irak betreut arabisch sprechende Flüchtlinge
Dr. Salman hilft und schweigt
Salman Majid Salman ist ein Flüchtling, auch wenn man
ihm das kaum ansieht. Mit seiner silbernen Brille, dem exakt
gebügelten Hemd samt farblich dezent abgestimmter Krawatte
und Pullover sieht der Iraker eher aus wie ein Diplomat, der
wichtige Kontakte zwischen Europa und dem Nahen Osten pflegt.
Doch Salman Salman ist nicht irgendein Flüchtling. Im
Auftrag der Inneren Mission betreut er als einziger arabisch
sprechender Sozialberater in München Flüchtlinge
und Migranten, die aus dem Irak und anderen arabischen oder
afrikanischen Ländern hierher gekommen sind.
Meistens ist die Warteschlange vor seinem Büro in der
Goethestraße ellenlang. "Ich kann keinen wegschicken",
sagt er mit seinem entwaffnenden Lächeln. Manchmal vergisst
er dann sogar die Mittagspause auch wenn sein Chef
das gar nicht so gerne sieht.
Als er aus dem Irak nach München kam, lag bereits eine
Bilderbuchkarriere hinter ihm: Bester Germanistik-Student
seines Jahrgangs, ein fünfjähriges Promotions-Stipendium
in Deutschland, Leiter der Deutschen Sektion an der Universität
in Bagdad, eine Gastprofessur an der Sanaa-Universität
in Jemen.
Doch dann bekamen er und seine Frau, eine Zahnärztin,
Probleme mit dem Regime. Im März 2001 landeten sie als
Asylbewerber in der Unterkunft in der Untersbergstraße.
Während des Anerkennungsverfahrens half Salman Salman
in der Unterkunft als Dolmetscher; die Iraker stellten damals
die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Asylbewerber.
Drei Monate später bekam er dann das Angebot, als Sozialarbeiter
für die Flüchtlinge hauptamtlich tätig zu sein.
"Ich habe sofort angenommen, weil ich wusste, worum es
ging: Menschen zu helfen."
Gut drei Jahre später ist Salman Salman zur Institution
in der Institution geworden: Er betreut nicht nur die in München
lebenden Iraker (etwa 20.000), sondern auch andere arabisch
sprechende Menschen. Aus der ganzen Bundesrepublik rufen die
Leute an und schildern ihm seine Probleme; sogar einige Anrufe
aus Schweden und Dänemark waren dabei.
"Wir brauchen gar keine Werbebroschüre", sagte
er und lächelt. "Es hat sich einfach rumgesprochen,
dass man hier herzlich aufgenommen wird." Meistens vermittelt
er, wenn es Probleme mit einer Behörde gibt, etwa, weil
irgendwelche Fristen abgelaufen sind oder weil bei den Formblättern
niemand durchblickt.
Bei mehr als 125 Sozialamts-Anträgen zum Arbeitslosengeld
II hat er beispielsweise mitgeholfen; von den umfangreicheren
Fragebögen der Agentur für Arbeit hat er knapp 40
gemeinsam mit den Klienten ausgefüllt. Allein heute hat
er sechs Leute mit diesem Riesenformular herbestellt. "Das
ist alles Extra-Arbeit", stöhnt er.
Neulich beispielsweise kam jemand vom Schulreferat zu ihm
und bat ihn um seine Hilfe, weil sie bei einer Familie nicht
weiterkamen. Schnell stellte sich heraus, dass er sie schon
von seiner Beratungstätigkeit her kannte. Tags darauf
rief dann der Sozialarbeiter an und bedankte sich für
seine schnelle Hilfe.
Oftmals geht es auch um Eheprobleme zwischen deutschen und
arabischen Partnern. Oder das Krankenhaus ruft an, weil jemand
den Ärzten nicht erzählen will, wo das Problem liegt,
sondern nur ihm. "In solchen Fällen geht es dann
weniger ums Dolmetschen als um das Vertrauen, das man mir
entgegenbringt."
Mehr als zwei Drittel seiner Klienten sind Muslime, Salman
Salman dagegen ist chaldäischer Christ. Probleme mit
seinen Klienten macht das in den seltensten Fällen, ganz
im Gegenteil. Das Schönste an seinem Beruf ist für
ihn, dass er jeden Tag Gelegenheit hat, "die evangelischen
Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Hilfsbereitschaft
in die Tat umzusetzen."
Sein großer Vorteil dabei: "Ich weiß, wie
ich die arabische Mentalität ansprechen muss." In
kürzester Zeit gewinne er so das Vertrauen der Menschen.
"Die sind offen zu mir und erzählen mir alles."
Nicht zuletzt, weil sie wissen, dass Salman Salman hilft und
schweigt.
Klaus Honigschnabel
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